Redispatch 2.0

Netzengpassmanagement der Zukunft

Integration erneuerbarer Energien und dezentraler Anlagen in das Netzmanagement

Was ist Redispatch 2.0?

Redispatch 2.0 bezeichnet das modernisierte System zur Bewältigung von Netzengpässen im deutschen Stromnetz. Seit dem 1. Oktober 2021 werden auch Anlagen ab 100 kW Leistung (insbesondere erneuerbare Energien und KWK-Anlagen) in das Redispatch-System einbezogen. Dies ermöglicht eine deutlich effizientere und gerechtere Bewältigung von Netzengpässen.

Kernpunkte von Redispatch 2.0

  • Einbeziehung kleinerer Anlagen: Anlagen ab 100 kW (vorher: 10 MW)
  • Integration erneuerbarer Energien: Wind- und Solaranlagen werden aktiv einbezogen
  • Kostengerechtere Verteilung: Fairer Ausgleich für alle betroffenen Anlagenbetreiber
  • Digitalisierung: Automatisierte Prozesse und Echtzeitdaten

Häufig gestellte Fragen zu Redispatch 2.0

Was ist der Unterschied zwischen Redispatch 1.0 und 2.0?

Die wichtigsten Unterschiede:

AspektRedispatch 1.0 (bis Sep 2021)Redispatch 2.0 (ab Okt 2021)
Mindestgröße10 MW100 kW
Betroffene AnlagenGroße konventionelle KraftwerkeAlle Erzeugungsanlagen inkl. EE
EinspeisemanagementSeparates System für EE-AnlagenIntegriert in Redispatch
VergütungUnterschiedliche SystemeEinheitliches Vergütungssystem
Warum wurde Redispatch 2.0 eingeführt?

Die Einführung von Redispatch 2.0 war aus mehreren Gründen notwendig:

  • Energiewende: Starke Zunahme dezentraler, erneuerbarer Energieanlagen
  • Netzengpässe: Häufigere Situationen, in denen mehr Strom erzeugt als abtransportiert werden kann
  • Kosten: Steigende Redispatch-Kosten (2022: ca. 4,2 Mrd. Euro)
  • Gerechtigkeit: Gleichbehandlung aller Erzeugungsanlagen unabhängig von Größe und Technologie
  • Effizienz: Bessere Nutzung aller verfügbaren Flexibilitäten im Stromnetz
Welche Anlagen sind von Redispatch 2.0 betroffen?

Redispatch 2.0 betrifft alle Erzeugungsanlagen ab 100 kW installierter Leistung:

  • Windenergieanlagen (onshore und offshore)
  • Photovoltaikanlagen
  • Biomasse-Anlagen
  • Wasserkraftanlagen
  • KWK-Anlagen (Kraft-Wärme-Kopplung)
  • Konventionelle Kraftwerke (Gas, Kohle, etc.)
Wie funktioniert das Redispatch 2.0-Verfahren?

Das Verfahren läuft in mehreren Schritten ab:

  1. Prognose: Netzbetreiber erstellen Prognosen über zu erwartende Netzengpässe
  2. Bedarfsermittlung: Bestimmung der erforderlichen Maßnahmen zur Beseitigung der Engpässe
  3. Maßnahmenanforderung: Netzbetreiber fordern bei Anlagenbetreibern Leistungsänderungen an
    • Abregelung: Reduzierung der Einspeisung vor dem Engpass
    • Hochregelung: Erhöhung der Einspeisung hinter dem Engpass
  4. Umsetzung: Anlagenbetreiber setzen die Maßnahmen um
  5. Dokumentation: Erfassung der durchgeführten Maßnahmen
  6. Abrechnung: Vergütung der entgangenen Erlöse oder entstandenen Mehrkosten
Wie werden Anlagenbetreiber bei Redispatch 2.0 vergütet?

Die Vergütung erfolgt nach dem Prinzip der Kostendeckung:

  • Entgangene Erlöse: Vergütung für nicht einspeisbaren Strom (bei Abregelung)
  • Zusatzkosten: Erstattung von Mehrkosten (bei Hochregelung)
  • Kalkulatorische Preise: Für EE-Anlagen werden kalkulatorische Preise verwendet, um den Einspeisevorrang zu sichern
  • Mindestfaktoren: EE-Mindestfaktor von 10, KWK-Mindestfaktor von 5

Dies bedeutet: Erneuerbare Energien werden bei Redispatch nur abgeregelt, wenn dadurch mindestens das 10-fache an konventioneller Erzeugung eingespart werden kann.

Welche Pflichten haben Anlagenbetreiber?

Betreiber von Anlagen ab 100 kW müssen:

  • Stammdaten bereitstellen: Technische Daten der Anlage im Marktstammdatenregister
  • Fernsteuerbarkeit: Technische Einrichtungen zur Steuerung durch den Netzbetreiber vorhalten
  • Einsatzpläne: Fahrpläne und Einsatzprognosen bereitstellen
  • Verfügbarkeit: Anlagen für Redispatch-Maßnahmen verfügbar halten
  • Meldepflichten: Störungen und Ausfälle unverzüglich melden
Wie hoch sind die Kosten von Redispatch 2.0?

Die Redispatch-Kosten sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen:

  • 2019: ca. 1,4 Mrd. Euro
  • 2020: ca. 1,4 Mrd. Euro
  • 2021: ca. 2,3 Mrd. Euro
  • 2022: ca. 4,2 Mrd. Euro

Diese Kosten werden über die Netzentgelte auf alle Stromverbraucher umgelegt. Die Kostensteigerung resultiert aus:

  • Mehr Netzengpässen durch den Ausbau erneuerbarer Energien
  • Verzögerungen beim Netzausbau
  • Gestiegenen Brennstoff- und CO₂-Preisen
Was ist der Zusammenhang zwischen Redispatch 2.0 und dem Netzausbau?

Redispatch 2.0 ist eine Übergangslösung:

  • Kurzfristig: Redispatch behebt akute Netzengpässe durch Eingriffe in den Kraftwerksbetrieb
  • Langfristig: Der Netzausbau (insbesondere Nord-Süd-Trassen) soll Engpässe strukturell beseitigen
  • Ziel: Reduzierung der Redispatch-Maßnahmen durch ausreichende Netzkapazitäten

Bis zur Fertigstellung des Netzausbaus bleibt Redispatch 2.0 ein unverzichtbares Instrument zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität.

Wie trägt Redispatch 2.0 zur Energiewende bei?

Redispatch 2.0 unterstützt die Energiewende durch:

  • Integration erneuerbarer Energien: Ermöglicht höhere Anteile von Wind- und Solarstrom im Netz
  • Einspeisevorrang: Erneuerbare Energien werden durch Mindestfaktoren bevorzugt
  • Systemstabilität: Gewährleistet sichere Netzführung trotz fluktuierender Einspeisung
  • Transparenz: Digitalisierung schafft Transparenz über Netzengpässe und deren Ursachen
  • Anreize für Flexibilität: Fördert flexible Erzeugung und Speicherlösungen

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